Die Reiki-Lebensregeln
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Die Reiki-Lebensregeln – Fünf Prinzipien für ein gutes und spirituelles Leben. Herausgegeben von Frank Doerr.

In diesem Buch sind Beiträge verschiedenster AutorInnen zusammengetragen worden, die alle die Lebensregeln oder einzelne ihrer Aspekte berühren. Ihre Bezüge zu Buddhismus, Christentum, Anthroposophie, Psychologie werden erläutert und auch der Sinn von spirituellen Lebensregeln überhaupt.

Es enthält Artikel von Oliver Klatt, Don Alexander, Karl-Heinz Doppler, Laxmi P. Horan, Ewald Kurzbauer, Brigitte Müller, Horst H. Günther, Hergen Noordendorp, Bernhardo Schirmer, Harald Wörl, Peter Mascher, Dieter Stahl, Ute Wehrend, Walter Lübeck, Matthias Grünewald, Christel Seligmann, Michaela Weidner, Fokke Brink, Raimund Frenster, Brigitte Ziegler, Paul Mitchell. Schon diese Zusammenstellung macht deutlich, dass das Buch kein einheitliches Werk ist, sondern viele auch einander widersprechende Sichtweisen umfasst. Gerade das ist in meinen Augen seine Stärke.

Ein herausforderndes Buch. Auf jeden Fall eine Bereicherung und definitiv lesenswert.

Die Lebensregeln in der Meditation
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Von Anfang an war Gassho die Meditationsform, die im Reiki ge­lehrt wurde: Dabei werden die Hände vor der Brust aneinander gelegt und der Fokus auf die Spitzen der Mittelfinger ge­richtet. Klingt einfach? Probier‘s mal!
Dabei sollten dann die Lebens­regeln rezitiert werden. Mir persönlich ist es jedoch un­möglich, zeit­gleich auf den Text und auf die Mittel­fingerspitzen zu achten. Mir reicht eine Aufgabe völlig…

Und schon habe ich einen Teil von Usuis Vermächtnis hinten unter kippen lassen:

Jeden Morgen und Abend – sitze im Gassho,
fühle die Worte in deinem Herzen
und sage sie mit deinem Mund.

Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob es noch Reiki ist, das ich betreibe, und ich weiß, dass es Leute gibt, die dies vehement bestreiten würden. Für mich ist das Gundlegenste am Reiki, dass es simpel ist und keine Dogmen kennt. Fasst man Usuis Text als Empfehlung auf, kann ich gut damit leben. Fasst man es als Dogma auf, steige ich aus.

Man kann Prinzipien aufstellen wie Wegweiser oder wie Galgen.
Hans Kasper, 1916 – 1990, deutscher Schriftsteller

Ich glaube, dass nur, wer frei ist von Verpflichtung und Dogmatismus, wirklich die Bedeutung eines Textes (oder anderen Kunstwerks) wirklich erfassen kann. Daher rate ich dir, die traditionelle Gasshomeditation mit den Lebensregeln auszuprobieren. Und falls du nach genügend Versuchen zu dem Schluss kommen solltest, dass das nichts für dich ist, musst du dir eben etwas anderes suchen. Wie wäre es damit,

  • jeden Morgen über eine der Lebensregeln zu meditieren und sie während des Tags immer wieder in das Bewusstsein zu holen. Habe ich gerade jetzt nach dieser Regel gehandelt?
  • in Büchern und Zeitschriften immer wieder über die Lebensregeln zu lesen und das eigene Verständnis so zu erweitern.
  • im Reiki-Tagebuch eigene Erkenntnisse, Anschauungen, Gefühle zu den Lebensregeln festzuhalten und ab und an nachzulesen, ob sich da etwas geändert hat.
  • nach einem entsprechenden Text aus deinem Kulturkreis zu forschen.
  • Gassho ohne Rezitation der Lebensregeln zu versuchen.
  • die Lebensregeln in einer zu dir passenden Haltung zu rezitieren.

Wenn man sich die Reiki-Lebensregeln durchliest, so findet man nichts darin, das sich nicht auch woanders finden ließe. Und das bedeutet für mich zweierlei:

  1. Ich muss nicht mit den Lebensregeln Mikao Usuis arbeiten, sondern kann mir entsprechende Lebensregeln woanders suchen. (Es bietet sich das Neue Testament an…)
  2. Ich kann mit Mikao Usuis Lebensregeln arbeiten, unabhängig von meinem weltanschaulichen und religiösen Hintergrund.

Gerade heute suche ich nach meinem Weg.

Die Lebensregeln
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Die Lebensregeln, geschrieben von Mikao Usui

Eine wichtige Rolle in der Reikigemeinschaft spielen die Legensregeln. Diese stammen von Mikao Usui, der sie wiederum aus einer Gedichtsammlung des von ihm verehrten Meijikaisers übernommen hatte.

Diese Lebensregeln waren grundlegender Bestandteil der Meditationspraxis von Mikao Usui und er hat sie seinen SchülerInnen gelehrt.

Die Übersetzung (nach dem Hikkei, einer Sammlung von Usuis Unter­lagen – diese geistert in verschiedenen Versionen ohne Urhebernachweis durch das Internet)  lautet:

Die geheime Methode, das Glück einzuladen
Das wunderbare Mittel gegen alle Leiden
Gerade heute:
Sei nicht ärgerlich.
Sorge dich nicht.
Sei mit Dankbarkeit erfüllt.
Arbeite hart (auf dein Ziel hin).
Sei nett zu allen (Mitmenschen).
Jeden Morgen und Abend – sitze im Gassho,
fühle die Worte in deinem Herzen
und sage sie mit deinem Mund.
Verbesserung von Körper und Seele mit
Usui Reiki Ryôhô

Es gibt viele andere Übersetzungen und freie Über­tragungen. Viele Jahre lang wurden sie aus dem Altjapanischen ins moderne Japanisch, anschließend ins Englische und erst dann ins Deutsche übertragen. Dass bei dieser Art von Stiller Post erstaunliche Übersetzungen zu Tage treten, ist vorgegeben…

Schon Hawayo Takata hat sie abgewandelt:

Gerade heute, sei nicht ärgerlich.
Gerade heute, sorge dich nicht.
Sei dankbar für die vielen Segnungen.
Verdiene dein Brot ehrlich.
Sei freundlich zu deinen Nächsten.

Die folgende Fassung wird vorwiegend von freien Reikimeistern gelehrt:

Gerade heute, sei nicht ärgerlich.
Gerade heute, sorge dich nicht.
Ehre deine Eltern, Lehrer und die Älteren.
Verdiene dein Brot ehrlich.
Empfinde Dankbarkeit für alles Lebendige.

Die Fassung, die ich benutze, kommt auf der einen Seite dem schlichten Original sehr nahe und knüpft dennoch an die Tradition an. Das „Gerade heute…“ ist mittlerweile doch recht tief in mir verankert:

Gerade heute, ärgere dich nicht.
Gerade heute, sorge dich nicht.
Sei dankbar.
Arbeite eifrig.
Sei freundlich zu Allen.

Ich kann kein Japanisch und kann daher nicht beurteilen, welche Übersetzung am genauesten ist. Ich halte das auch gar nicht für notwendig, denn die einzelnen Übersetzungen stellen doch eher Nuancen desselben Texts dar. Ich kann gut mit „meiner“ Fassung arbeiten und die anderen im Hintergrund schwingen lassen.