Energiegebet
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Foto: Susie B.

Heute mal ein sehr christlich geprägter Artikel.

Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
Matthäusevanglium 6, 28-29

 

Dies ist die christliche Formulierung von „Gerade heute sorge dich nicht.“ Sorge zwängt uns ein, und das ganz unnötig, da doch für uns gesorgt ist. Wenn wir frei sind von Sorge, sind wir auch frei zu

  • zu entscheiden, was uns wichtig ist.
  • zu vertrauen.
  • zu danken.

Die Freiheit von etwas ist eine feine Sache, aber erst die Freiheit zu etwas macht wirklich frei.

Ich sehe hier einen Zusammenhang zu den Wunschthemen der letzten Zeit: Wenn ich mein Herz an einen Wunsch hänge, den ich ach so gern erfüllt haben möchte, so säe ich dabei zugleich die Sorge, dass er nicht erfüllt werden könnte. Jemand mit Wünschen führt nahezu zwangsläufig ein sorgenvolles Leben. Sich nicht zu sorgen, nicht an Wünschen zu haften, ist eine schwierige Aufgabe, die es zu bewältigen gilt. Dabei kann Beten im weitesten Sinne ausgesprochen hilfreich sein.

Im Christentum unterschied man früher zwischen verschiedenen Arten des Gebets. Die ersten drei stellen harte Arbeit dar, die letzte ist immer ein Geschenk:

  • oratio: das Wortgebet, in etwa das, was wir heute meist unter dem Begriff Gebet verstehen
  • ruminatio: wörtlich das Wiederkäuen, das ständige Wiederholen eines Wortes, Spruchs oder Namens, der uns geläufigere Name wäre heute Mantra; eine alte christliche Form, die wieder zunehmend bekannter wird ist das Herzensgebet
  • meditatio: das geistige Betrachten eines Textes, Bildes o.Ä.
  • contemplatio: gegenstandslose Anschauung, das Verschmelzen von mir und Gott, unio mystica

Ich will jetzt gar nicht krampfhaft Reiki als Teil eines christlichen Wegs beschreiben oder christlich herleiten. Aber irgendwann stellte ich fest, dass ich zuweilen Reikigaben in Gedanken mit „Amen.“ schloss. Und dass teilweise tatsächlich eine Verbundenheit einstellte, die eine Vorstufe zur Kontemplation sein könnte. Daher traue ich mich doch, versuchsweise einmal ganz vorsichtig hinzuzufügen:

  • reiki: ein Energiegebet, das Leeren des Geistes bei gleichzeitigem Handauflegen

Reiki als Energiegebet setzt jedoch Gott nicht als Person voraus und würde von der Kirche immer noch abgelehnt. Ein Gottesbild, indem Gott als eine Kraft (z.B. als Pneuma) beschrieben wird, wurde von der Kirche schon früh abgelehnt. Kirchliche Kritik an Reiki bezieht sich hauptsächlich auf die kritische Haltung der Stiftung Warentest (Was für ein theologisches Argument!?!) und eben auf die fehlende Personalität Gottes in den Ki-Bewegungen, zu denen natürlich Reiki zählt. Das musst du jetzt selbst für dich herausfinden: Ist Gott eine Person? Oder kann er auch eine Kraft sein?

Foto: Cvmontuy

 

Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.
Matthäusevanglium 6, 26