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Neumond Der Mond ist 28 Tage alt
Category Archives: Gerade heute…
Hayashi Todestag
Am 10. Mai 1940 wählte Hayashi den Freitod. Über die Umstände seines Todes habe ich sehr unterschiedliche Sachen gelesenen. Aber diese spielen für mich auch keine Rolle. Ob es vielleicht doch 1941 war und welche Methode er genau wählte, ist für mich unerheblich. Lediglich die Variante, in der er seinem Geist schlicht befahl, seinen Körper zu verlassen, wäre interessant, aber ich habe dann doch Probleme damit, gerade diese Version zu glauben.
Hayashi spielt in meinem Reikileben keine große Rolle. Und dennoch:
Ehre deine Lehrer – auch die, die dir fern sind.
Reiki in die Vergangenheit schicken
Heute jährt sich der Amoklauf am Gutenberggymnasium in Erfurt zum 10. Mal. Kaum zu fassen, dass es schon zehn Jahre her ist…
Mit immerhin jahrelanger Verspätung (2002 kannte ich noch kein Reiki) fiel mir vor kurzem ein, dass es eine gute Idee sein könne, auf solche Ereignisse Reiki zu geben. Bisher hatte ich das “nur” für persönliche Erinnerungen getan.
Natürlich ändert Reiki nichts an dem Ablauf des Geschehenen. Meine Hoffnung aber ist es, dass dadurch die Verarbeitung leichter wird. Dass Erinnerungen erträglicher werden. Dass Zerrissenheit gemindert wird. Daher stelle ich euch diese kleine Idee, die doch wichtige Auswirkungen haben könnte, heute vor. Erfurt sei nur ein Beispiel – wenn du dich in Ruhe besinnst, welche Ereignisse dich emotional sehr betroffen machten, wirst du sicher auf etwas stoßen.
Ich bin heute mit meinen Gedanken und meinem Herzen bei all denen, die heute noch unter Erinnerungen leiden.
Raumreinigung
Ich werde die nächsten Wochen in einem eher unpersönlichen Raum leben. Ganz so schlimm wie auf dem Foto ist er zum Glück nicht. Als ich ankam, war ich aber doch etwas vor den Kopf gestoßen. Sehr – sagen wir mal: übersichtlich. Und aus dem anliegenden Bad strömte ein miefiger Geruch, der sich auch durch Lüften nicht besserte. Nee, der erste Eindruck war nicht gut.
Nachdem ich meine Sachen ausgepackt hatte, sah es schon etwas lebendiger aus. Da hing eine Jacke, da lag mein Amethyst, dort die Wolldecke… Davon aber geht natürlich der Mief nicht weg.
Als es dann abends ans Schlafen ging, bekam ich Probleme. Das ging so nicht. Und es zeigte sich mal wieder, wie effektiv die kleinen Reikimethoden des Alltags sind: Ich führte eine Raumreinigung durch und lüftete erneut. Geschlafen habe ich dann wunderbar und gerade fiel mir auf, dass es auch nicht mehr stinkt.
Warum war mir das eigentlich nicht sofort eingefallen?
Steinkraut goes Smartphone!
Ich bin gerade viel unterwegs und eher mit meinem Smartphone online als mit dem PC. Und auf diesem Minidisplay sieht www ganz schön klein aus. Ständig zoomen nervt mich. Und meine eigene Seite sieht auch nicht besser aus. Also habe ich ein bisschen getüftelt und war erfolgreich:
Wer jetzt mit einem Smartphone auf meine Seite geht, sieht nichts mehr von meinem schönen Steinkraut und die Farben sind auch nicht mehr blau-gelb. Dafür aber kann man die Artikel gut lesen. Um das eine ist es schade, aber das andere ist mir wichtiger.
Ganz unten auf der Seite erscheint dann ein kleines Auswahlfeld: “Mobiles Theme On-Off”. Damit kann man zurückschalten zur gewohnten Zoom-Ansicht. Mit hübschem Steinkrautbild. ![]()
Sollte jetzt etwas nicht funktionieren, bitte ich um eine kurze Mitteilung. Auf meinem Gerät funktioniert es tadellos, aber ich weiß natürlich nicht, wie es auf anderen aussieht. Danke!
Sinneswandel vollbringen.
Mein Ich bildet sich durch Rückkopplung mit der Welt: mit Personen, der Kultur, der Natur… Es ist darauf ausgelegt, stets in Kontakt zu sein, sozusagen: durch Bewusstsein und Unterbewusstsein Informationen (Gedanken, bzw. Gefühle) auszuwerten und zu integrieren.
Mein Ich lebt im Energiefeld des Absoluten. Es geht zu den mich umgebenden Schwingungen in Resonanz, aber: Es wählt dabei aus den Myriaden vorhandener Schwingungen diejenigen aus, die in Welt- und Selbstbild passen. Und täglich grüßt das Murmeltier!
Wie also kann mein Ich sich für neue Schwingungen entscheiden? Brauche ich zuerst ein neues Selbstbild?
neues Selbstbild «—» neue Schwingungen = neue Erfahrungen
An welchem Punkt dieses Kreises kann ich ansetzen, wenn ich mein Leben, mein Denken und mein Ich ändern möchte? Gedanken bestehen aus Wörtern und Bildern, sie dienen der Kommunikation mit Außen. Mit dem übrigen Körper kann das Ich nicht über Wörter und Bilder kommunizieren, sondern über Schwingungen. Geänderte Gedanken ändern also erst einmal nichts an den Schwingungen.
Ich weiß (oder ahne), dass es “da draußen” anderes gibt. Und mehr. Aber das weiß ich mit meinem Bewusstsein, in Form von Gedanken. Mein Gefühl aber sagt bestenfalls: “Wär’ ja schön, wenn’s so wäre – aber ich erkenne die Welt über Erfahrungen, die ich gemacht habe. Und die weisen nicht darauf hin, dass es da mehr gibt, als das, was ich kenne.”
Meinem Unbewussten auf seiner Gefühlsebene zu helfen, in die Pötte zu kommen, kann geschehen durch
- Erinnerungen an eine Situation, in der der Schleier gelüftet worden war. Was schon einmal passiert ist, kann wieder passieren. Das ist eine Erfahrung, die unser Unbewusstes schon häufig gemacht hat.
- Anbinden an etwas Bekanntes, z.B. durch eine Methode, die wir kennen und mögen, neue Erfahrungen sammeln. “Du immer mit deinen neuen Erfahrungen. Neu ist fremd und fremd ist gefährlich. Aber Reiki ist schön, das weiß ich.”
Beispiel: Beeinflussen der Welt da draußen durch Reiki auf die Situation / auf den Tag. Regelmäßig können so neue Erfahrungen gesammelt werden. Klappt es nicht (Und was heißt schon “nicht klappen” bei Reiki?) ist es auch gut. Diese Erfahrung unbeachtet zur Seite schieben und ihr keine Aufmerksamkeit widmen. Positive Erfahrungen im Tagebuch festhalten, anderen davon berichten, die Erinnerung daran ab und zu hervorkramen – schlicht Aufmerksamkeit schenken. - Das Kontaktsymbol ist dabei eine große Hilfe. Als genauso wichtig empfinde ich aber dabei das zweite Symbol (Mentalsymbol), ohne dies schlüssig begründen zu können. In meinen Augen erleichtert es das Verständnis und den Mut, sich überhaupt zu öffnen.
7 Wochen ohne
Es naht die Fastenzeit und damit die Frage, wie ich dieses Mal mitmachen möchte. Das offizielle Motto “Gut genug! – 7 Wochen ohne falschen Ehrgeiz” trifft nicht gerade meine persönliche Situation. Aber eine Weile bewusster leben tut gut und so werde ich mir mein eigenes Motto suchen.
Übrigens sind es nur 40 Tage – das ist durchzuhalten! ![]()
RVD-Stammtisch in Kaltenkirchen
Gestern fand der erste RVD-Stammtisch der Nordlichter statt. Wir trafen uns im Hotel Dreiklang in Kaltenkirchen. Immerhin: Wir waren zu sechst. Das ist natürlich ausbaufähig, aber für ein erstes Treffen – zumal bei verschneiten Straßen – finde ich das schon mal nicht schlecht.
Wir unterhielten uns über verschiedene Themen, die auch weiter getragen werden sollen. Für den April-Workshop in Allenbach habe ich etwas zum Thema Ausbildung vorbereitet und bin sehr gespannt, was dabei heraus kommen wird.
Die Möglichkeit, eine Berufshaftpflichtversicherung als RVD-Mitglied verbilligt abzuschließen, nimmt Formen an. Dazu wird es bald nähere Infos auf der Seite des RVD geben.
Es war eine nette Runde und ich freue mich auf die Wiederholung am 5. Mai. Anmeldungen dafür bitte bei Frank Glatzer.
Tipp für englischsprachige Nachteulen
Die amerikanische Reikimeisterin Pamela Miles bietet ein kostenloses Webinar an, in dem die Paul Mitchell interviewen wird. Das klingt sehr interessant, bis auf den Zeitpunkt: Dienstag, 31. Januar 2012, 0-1 Uhr. Aber immerhin wird es einen Link zur Aufzeichnung geben..
Beschreibung und Anmeldung findest du hier.
Ist Reiki eine Heilweise?
Möglichkeit A: Reiki ist eine Heilweise.
- Traditionen des Handauflegens als therapeutisches Handeln sind älter als Menschengedenken und sie waren wahrscheinlich weltweit vertreten. Reiki sieht sich also in einer langen Tradition.
- Es ist nicht einfach nur eine Entspannungstechnik, sondern gezieltes Beeinflussen des Ki, wie dies ja zum Beispiel auch in der Akupunktur geschieht, die mittlerweile weitgehend als Therapie anerkannt ist.
- Für eine Behandlung ist es hilfreich, eine genaue Diagnose ermittelt zu haben. Dies wird deutlich an der Vielzahl von Büchern, in denen bestimmte Reikipositionen je nach Erkrankung empfohlen werden (z.B. Tanmaya Honervogt, Walter Lübeck, Das Original Reiki-Handbuch des Dr. Chujiro Hayashi…). Um eine Diagnose zu erhalten, sind medizinische Kenntnisse vonnöten. Eine Tätigkeit, die ich aufgrund medizinischer Kenntnisse ausführe, ist eine Heilweise.
- Alles, das der Feststellung, Linderung oder Heilung von Krankheiten dient, ist gesetzlich als Ausübung der Heilkunde definiert und bedarf der Heilerlaubnis (ärztliche Approbation oder Heilpraktikerschein).
- Für Ärztinnen und Heilpraktiker gelten vielfache Einschränkungen beispielsweise im Bereich der Werbung. Sie dürfen sich nicht zu Werbezwecken in Berufskleidung oder bei der Ausübung ihrer Tätigkeit fotografieren lassen. (Deswegen werden in der Werbung Zahnpasten zuweilen von bekittelten „Zahnarztfreuen“ angepriesen.)
Da Reiki eine Heilweise ist, greifen diese Regelungen auch hier. Fotos von Behandlungen sind nicht statthaft. - Eine weitere Einschränkung ist die, dass Ärzte und Heilpraktikerinnen nicht damit werben dürfen, wo sie ihre Ausbildungen gemacht haben.
Das Veröffentlichen der Meisterlinie ist demnach rechtlich bedenklich. - Die letzte Einschränkung, mit der ich euch kommen will, betrifft das Verbot, im Bereich von Therapien mit Kundenmeinungen zu werben.
Reikiflyer, auf denen Kunden ihrer Zufriedenheit Ausdruck geben oder Gästebücher auf der Homepage sind nicht zulässig. - Der Berufsverband ProReiki sieht sich als Dienstleister für die „Anerkennung von Reiki als Maßnahme zur Gesundheitsprävention, -pflege und zur Unterstützung von Heilungsprozessen.“
- Mehrere Krankenkassen Deutschlands bezuschussen Reikibehandlungen und/oder -seminare. Das täten sie nicht, wenn Reiki keine ernstzunehmende Therapie wäre.
- In mehreren Bundesländern (v.a. NRW, MV, SH) strengen die Gesundheitsämter Unterlassungsaufforderungen gegen Reikipraktizierende ohne Heilerlaubnis an (Gerichtsverfahren diesbezüglich laufen).
Möglichkeit B: Reiki ist keine Heilweise.
- Reiki dient vor allem der spirituellen Entwicklung und der Entspannung. Heilung ist möglich, wenn durch Erkenntnis und Entspannung die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.
- Diagnostisches Wissen ist nicht notwendig, da Reiki eine intelligente Energie ist, und fließt, wohin es will.
- Außerdem werden die Handpositionen schematisch gewählt – an den Stellen der überlieferten Positionen liegen Reflexpunkte, sodass der gesamte Körper abgedeckt wird. Oder aber sie werden intuitiv gewählt, wobei noch nicht einmal ein Wissen um Symptome notwendig ist.
- Wenn Reiki überhaupt eine Heilweise ist, dann höchstens eine des geistigen Heilens. Das Bundesverfassungsgericht hat 2004 festgestellt, dass die Ausübung geistigen Heilens keiner Heilerlaubnis bedarf.
- Demzufolge greifen die einschränkenden Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetzes bezüglich der Werbung nicht: Eine Reikipraxis kann mit Fotos von Anwendungen, mit Gästebüchern und der Meisterlinie werben.
Lass dich nicht irritieren, dass die erste Liste länger ist. Zum einen musste ich dort noch eher die Punkte erklären, zum anderen gilt es natürlich, Argumente zu gewichten, nicht sie zu zählen.
Man kann noch nicht einmal behaupten, dass die Reikiszene in dieser Frage gespalten sei – sie wird einfach nicht gestellt. Die meisten Reikipraktizierenden scheinen sich noch nicht einmal der Problematik bewusst zu sein: Sie sperren sich dagegen, einen Heilpraktikerschein erlangen zu sollen – was in der Regel Jahre der intensiven Vorbereitung voraussetzt und eine entsprechend hohe Hürde ist. Schließlich sei Reiki ja keine Heilweise. Oft aber sind es genau die gleichen Leute, die Positionen nach Symptomen empfehlen und die jubeln, wenn eine weitere Krankenkasse Reiki als Gesundheitsprävention anerkennt. Das passt meines Erachtens nicht zusammen und macht deutlich, wie unreflektiert argumentiert wird.
Wie ist denn nun deine Meinung? Versuche, persönliche Vor- und Nachteile außen vor zu lassen und betrachte nur Reiki. Ist es eine Heilweise?
Und dann, wenn wir uns jeweils unsere Meinung gebildet haben, lasst uns herangehen, das Reikilager zu spalten. Es geht mir nicht darum, Zwist zu säen, aber ein wenig aufrütteln müssen wir unsere Reikikolleginnen vielleicht doch. Eine Klärung dieser Frage ist wichtig und steht unmittelbar im Raum. Sollen Gerichte allein entscheiden? Oder wollen wir unseren Teil zur Meinungsbildung beitragen?
Los geht’s!
Reiki: Geschichte und Mythos
James Deacon hat mir dankenswerterweise die Erlaubnis gegeben, einige seiner Artikel ins Deutsche zu übertragen und auf meiner Seite zu veröffentlichen. Ich möchte dies in nächster Zeit zu den Artikeln tun, die sich mit der Geschichte Reikis beschäftigen und dort vor allem mit dem Verhältnis zur Reiki-Legende.
Das Copyright © 2008 liegt bei James Deacon, das der Übersetzung © 2011 bei Katrin Buske. Ich verlinke stets mit dem Original und – soweit schon vorhanden – mit der Übersetzung.
Reiki: Geschichte und Mythos (Teil 1)
Reiki History and Reiki Myth
Ein zweiter Blick auf ein paar Behauptungen der “neuen” Reikigeschichte – War Usui doch Christ?
Früher war es uns im Westen als Tatsache bekannt, dass Usui-sensei Christ war – und nicht nur einfacher Christ. Nein: Er war sogar Pfarrer. Und das System der natürlichen Heilung war, obgleich es keine direkte Beziehung zum Christentum hatte, letztlich Ergebnis von Usui-senseis Forschungen danach, wie Jesus seine Heilungen vollbracht hatte.
In den späten 1980er / frühen 1990er Jahren nahm Reiki Fahrt auf und breitete sich in der New-Age-Bewegung immer schneller aus. Die Vorstellung von Usui-sensei als Pfarrer war nicht mehr angesagt. Für viele New-Age-Jünger war es richtiggehend unangenehm oder sogar peinlich.
Für viele Menschen war ihr Bedürfnis nach einer alternativen Spiritualität Triebfeder für ihre Beschäftigung mit New Age gewesen, eine Flucht aus der dogmatischen Kontrolle ihrer christlichen Erziehung. Und als sie dann herausfanden, dass der Gründer des Reikisystems christlicher Pfarrer gewesen war, nun ja…
Wie es manchmal so geht begannen gerade in dieser Zeit einige Menschen unabhängig voneinander, verschiedene Ereignisse der Reikigeschichte, wie sie sie von ihren MeisterInnen gelernt hatten, zu hinterfragen. Unter anderem entschlossen sich ein paar Leute, die Universitäten anzuschreiben, die in der Reikilegende genannt werden:
- Doshisha Universität in Kyoto – Usui-sensei, so hatte es immer gehießen, war an dieser Universität Pfarrer und nach einigen Berichten sogar Präsident der Universität gewesen
- University of Chicago – dort soll Usui-sensei im Rahmen seiner Suche nach Jesus’ Heilwirken studiert haben.
Einer dieser Männer, die sich an die Universitäten gewandt hatten, war der Reikimeister William Rand. Im November 1990 bekam er von der Universität in Chicago die Auskunft, dass “…unsere Archive keinen Hinweis darauf geben, dass Mikao Usui jemals die Universität von Chicago besucht hätte.” Im darauf folgenden Jahr wandte Rand sich auch an die Doshisha Universität und bekam im Dezember 1991 die Antwort, dass der Name Mikao Usui in den Listen der Hochschulabsolventen “nirgends auftauche” und auch nicht auf der Liste der Fakultätsmitglieder. Außerdem sei er “… niemals Präsident der Doshisha gewesen.”
Diese Information war natürlich für viele Reikianhänger ein großer Schock und wir können nur vermuten, in welchen unterschiedlichen Wegen sie damit umgingen, dass anscheinend schwerwiegende Fehler in der überlieferten Reikigeschichte enthalten waren. Indes scheint es, dass einige Leute, besonders aus den Reihen derer, die mit den christlichen Bestandteilen nie so recht glücklich gewesen waren, die Widersprüche als so etwas wie ein Gottesgeschenk auffassten. Für sie war es eine Chance, Dinge zu ändern, neu aufzubauen. Tja, und das haben sie dann auch getan.
Erstaunlich schnell entstand so etwas wie Die Wahre Geschichte von Reiki. Und in dieser Version war Usui-sensei nicht nur nicht Präsident der Doshisha, noch Pfarrer an dieser Universität – nein, er war überhaupt kein Pfarrer und noch nicht einmal Christ.
Usui-sensei war nun Buddhist [1] und immer schon gewesen; und wann immer jemand fragte, warum es jemals anderes gehießen hatte, lautete die Standardantwort, dass Takata-sensei bestenfalls die Dinge ein bisschen durcheinander gebracht hatte und schlimmstenfalls einfach alles erfunden hatte. [2] Immerhin war der Buddhismus für viele New-Age-Anhänger weitaus akzeptabler als es das Christentum war und Hinweise finden sich auch in der Reikilegende: Usui-sensei habe in einem Zen-Kloster studiert und die Schlüssel zu den Symbolen in buddhistischen Sutras gefunden… [3]
Nach und nach entwickelten sich Standardantworten auf Fragen, die vielleicht sogar recht unbedarft zum christlichen Hintergrund Usuis gestellt wurden:
- “Er konnte doch gar kein Christ sein – er ist doch auf einem buddhistischen Friedhof begraben worden.” [4]
- “Für jeden, der auch nur ein bisschen Ahnung von japanischer Geschichte hat, ist offensichtlich, dass Usui kein gebürtiger Christ hat sein können. Das Christentum war doch für Jahrhunderte in Japan verboten gewesen und dieses Verbot wurde erst aufgehoben, als Usui 8 Jahre alt war. Also gab es keine japanischen Christen zu der Zeit, in der Usui geboren wurde.”
- “Aber natürlich wissen wir, dass Usui kein Christ gewesen war. Sowohl die Gakkai als auch eine seiner noch lebenden Schülerinnen – eine buddhistische Nonne namens Mariko – bestätigten, dass Usui Zeit seines Lebens Buddhist war.”
Wie auch immer: Es gibt wahrscheinlich weniger Beweise für die Existenz dieser langlebigen Schülerin oder der heutigen Gakkai als es jemals dafür gab, dass Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt hatte…
Desweiteren gibt es in der von Takata-sensei überlieferten Reikilegende keinen Hinweis darauf, dass Usui-sensei als Christ geboren worden war. Seine Kindheitsjahre werden überhaupt nicht erwähnt. Auch wird niemals behauptet er sei als Christ gestorben. (Takata hat nie gesagt, er sei sein ganzes Leben lang Christ gewesen. So gibt es zum Beispiel keinen Hinweis darauf, dass er nach der Reiki-Entdeckung auf dem Berg Kurama seinen Dienst als Pfarrer wieder aufgenommen habe.)
Und außerdem werden wir jetzt sehen, dass es tatsächlich zur Zeit von Usui-senseis Geburt Christen in Japan gab. Und zwar ziemlich viele.
1549 trat die Römisch-Katholische Kirche erstmals in Japan auf* und für das folgende halbe Jahrhundert gedieh das Christentum mit immer weiter wachsenden Zahlen von Konvertiten. Einige Schätzungen belaufen sich auf bis zu 300.000 japanischen Christen zum Ende des 16. Jahrhunderts. Als das Tokugawa Shogunat jedoch Anfang des 17. Jahrhunderts die politische Kontrolle übernahm, änderten sich die Dinge:
Das Christentum wurde jetzt als Möglichkeit gesehen, dass europäische Interessen in den Herzen und im Geist der japanischen Bevölkerung Tritt fassen könnten und daher erschien es jetzt als Bedrohung für die Macht des Shogunats – eine Zeit der immer stärker werdenden Unterdrückung begann.
Dies führte zum offiziellen Verbot für Japaner, den christlichen Glauben auszuüben. Ausländische Missionare und viele prominente Japaner christlichen Glaubens mussten das Land verlassen. Statt ins Exil zu gehen, begaben sich viele (europäische) römisch-katholische Priester in den Untergrund. Eine große Anzahl der Gläubigen weigerten sich, den christlichen Glauben aufzugeben. Sie wurden vor eine simple Wahl gestellt: Widerrufen oder sterben. Viele widerriefen. Viele wurden hingerichtet.
Um sich weiter von westlichem Einfluss (und der Wahrscheinlichkeit, dass die Europäer zu viel Einfluss erlangen) zu befreien, entschied sich das Shogunat für eine Isolationspolitik: Nicht nur die Missionare, sondern alle Europäer wurden des Landes verwiesen, jeglicher Handel mit Europa wurde beendet; mit der einzigen Ausnahme eines streng kontrollierten Handels mit den Niederlanden.
Doch auch nach all diesen Maßnahmen war das Christentum nicht aus Japan gelöscht. Historiker glauben, dass etwa 150.000 Christen offiziell ihrem Glauben abschwörten, ihn jedoch heimlich weiter praktizierten. Für mehr als zwei Jahrhunderte lebten die Senpuku Kirishitan (Untergrundchristen) in von der Außenwelt abgeschirmten, selbstständigen ländlichen Gemeinden und feierten ihre Gottesdienste in aller Heimlichkeit, wohl wissend, dass sie bei Entdeckung hingerichtet würden. Geschätzten 40.000 ist genau dies geschehen…
Diese Jahrhunderte hindurch waren die Christen ohne Gebetsbücher, Heilige Schriften oder irgendwelche Kultgegenstände – all dies war aufgegeben worden, um einer möglichen Entdeckung zu entgehen. Nach außen mussten sie den Eindruck erwecken, Buddhisten oder Shintoisten zu sein (die Unterschiede zwischen beidem waren ohnehin verwischt.
So wurde der christliche Glaube mündlich weitergegeben und im Laufe der Zeit kam es zu zahlreichen Veränderungen, indem buddhistische, shintoistische oder volkstümliche Vorstellungen eingewoben wurden.
1853 erreichte eine kleine US-amerikanische Flotte den Hafen von Uraga am Eingang zur Bucht von Tokio, dem damaligen Edo. Die Amerikaner verlangten, dass Japan seine Häfen dem Handel mit dem Westen öffne.
Durch die jahrhundertelange Isolation vom Rest der Welt hatte sich das japanische Militär nicht weiterentwickelt und daher war ein Widerstand gegen Amerika nicht möglich. Das Shogunat hatte keine andere Wahl als nachzugeben. Bis 1854 hatte Japan Freundschaftsabkommen nicht nur mit den USA, sondern auch mit Großbritannien, Frankreich, Russland und den Niederlanden abgeschlossen.
1865, als Usui-sensei geboren wurde, lag immer noch der Bann auf dem Christentum – zumindestens für die Japaner selbst. Das Öffnen der japanischen Häfen für den Auslandshandel sorgte auch für einen Zustrom an römisch-katholischen und anderen christlichen Missionaren, angeblich nur, um sich um die wachsende Zahl von Westlern in den neu gegründeten ausländischen Wohnvierteln zu kümmern.
Trotz des Verbots, für das Christentum zu werben, war es einigen Missionen erlaubt, medizinische Behandlungen und Schulen anzubieten.
Sogar nach dem Fall des Shogunats und dem Einsetzen der Meiji-Reigerung (1868) war es für Japaner illegal, ihren christlichen Glauben zu praktizieren. Etwa 3.000 japanische Christen sind allein in den ersten zwei-drei Jahren der Meiji-Regierung verhaftet worden.
Aber die Dinge sollten sich jetzt ändern: Unter dem wirtschaftlichen und sonstigem Druck der USA und anderer westlicher Staaten war die Meiji-Regierung gezwungen, ihre Haltung in religiösen Fragen zu überdenken und 1873 wurde dann das Verbot aufgehoben.
Während einige wenige der Christen aus dem Untergrund christliche Missionare schon vor 1873 überrascht hatten, waren nun alle in der Lage, sich offen zu ihrem Glauben zu bekennen und um Unterricht in Katechismus und auch Riten zu bitten, da ihr eigener Glaube sich in den Jahren der Isolation von den Lehren der Kirche abgeglitten war.
Viele kehrten froh in den Schoß der Mutterkirche zurück, aber es gab auch einige, die dies nicht wollten: Sie zogen es vor, an den entwickelten japanischen Eigenheiten und Traditionen (einschließlich Ahnenverehrung [5]) festzuhalten.
Fortsetzung folgt
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Anmerkungen:
[1] Aber selbst heute [2008] gibt es keine Einigkeit darüber, welcher Richtung des Buddhismus’ Usui-sensei angehörte.
[2] Vielleicht war es in dieser Zeit, dass die nicht gänzlich durchdachte Auffassung entstand, dass Takata-sensei eine christliche Herkunft fabuliert hatte, um Reiki im Westen salonfähig zu machen?
[3] Erstaunlich, wie einige Bestandteile der als falsch betrachteten Reikilegende nun sogar zu deren Widerlegung herangezogen werden…
[4] Natürlich könnte die gleiche Argumentation auch benutzt werden, um zu belegen, dass Usui-sensei kein Tendai Buddhist war (wie behauptet wurde), denn er ist auf einem buddhistischen Jodo Shin-Friedhof begraben worden.
[5] Namentlich derjenigen, die für ihren glauben als Märtyrer in den Tod gingen.




