Tag 3: Kochkultur
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Wahrscheinlich ist meine Unzufriedenheit mit dem derzeitigen Zustand meiner Küche ein Hauptgrund dafür, dass ich mich in diesen Zwischentagen mit Ernährung beschäftige: Nach und nach sind alle vier Herdplatten ausgefallen. Sie heizen zwar, lassen sich jedoch nicht mehr regulieren. Also habe ich einen Zweiplattenkocher besorgt, der jetzt neben dem Herd steht. Der Backofen definiert Umluft gänzlich neu: Um zu vermeiden, dass ein Kuchen vorn verbrannt und hinten noch matschig (oder umgekehrt, je nach Laune des Backofens) wird, muss ich Luft hineinlassen und den Kuchen eben umdrehen. Das Gefrierfach taut sich selbst auf (obwohl es diese Funktion eigentlich nicht hat) und verbraucht nur nutzlos Strom. Das Furnier der Schränke löst sich. Das Licht war schon immer schlecht. Die Küche ist auf, das steht fest. Die neue ist bestellt und es handelt sich nur noch um Monate, bis sie aufgebaut werden kann. Zuvor müssen einige andere Gewerke ihre Arbeit getan haben. Und ich muss viele Entscheidungen treffen, damit die Küche auch so wird, wie ich sie haben will.

Dass ich in so widrigen Umständen über Kochkultur schreibe, mag wie ein Witz klingen. So ist es durchaus nicht gemeint. Ich habe in den letzten Wochen einiges über meine Beziehung zum Kochen gelernt und vieles hat so gar nichts mit einer funktionsfähigen oder gar schönen Küche zu tun.

Kultur bedeutet hier für mich das bewusste Gestalten eines Lebensbereichs, ausgerichtet auf ein höheres Ziel: Ich ernähre meine Familie und mich mit Liebe und Lebensenergie. Vielleicht war es gerade die Planung der neuen Küche, die Überlegungen in mir auslösten, was Kochkultur ausmacht.

Überrasche die anderen und auch dich.

Ich habe in letzter Zeit neue Rezepte ausprobiert und alte wieder ausgegraben. Dieser neue Schwung hat auf jeden Fall viel neue Lebensfreude gebracht. Nicht jeder Versuch gelang. Dieses blöde Pilzragout klang nur als Rezept im Buch lecker; auf dem Teller war es bestenfalls langweilig. Die liebevoll erdachte Variante der Kartoffelsuppe hatte einen leichten Stich ins Widerliche. Und die komische Sahnesoße muss einfach eine Aneinanderreihung von Tippfehlern sein. 😯
Dennoch sind unsere Mahlzeiten irgendwie beflügelter. Spannender. Witziger. Und das Linsencurry, das aufgrund eines Übersetzungsfehlers ein wenig zu salzig geraten war, ist heute eines unserer Lieblingsgerichte. Einfach noch mal kochen.

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heinz

 

Worin besteht der Unterschied zwischen Baked Beans aus der Dose und selbst gemachten? Einfach mal ausprobieren!

Selbst gemachte Baked Beans

Zutaten:

  • 5 Tassen getrocknete Bohnen (Kidney und/oder weiße)
  • 2 Zwiebeln
  • 3-4 Zehen Knofi (Knoblauch nicht pressen, sondern hacken → sehr! viel bekömmlicher)
  • ½ Tasse Sirup
  • ½ Tasse Ketchup
  • 1¾ Tassen Wasser
  • ¼ Tasse Ahornsirup
  • 2 TL Senf, nach Möglichkeit scharf
  • 2-4 TL Sojasoße

Zubereitung zum Abendessen um 19 Uhr:

  • Gleich nach dem Aufstehen: Die Bohnen in einem wirklich großen Topf mit reichlich Wasser aufsetzen. Einmal aufkochen lassen, zugedeckt stehen lassen.
  • 16 Uhr: Bohnen zum Kochen bringen und leicht köcheln lassen.
  • 17 Uhr: Sind die Bohnen weich? Oder brauchen sie noch ein bisschen?
  • Ofen auf 150°C oder 180°C vorheizen. Siehe unten.
  • Gehackte Zwiebeln und Knofi andünsten und zu den Bohnen geben. Alle restlichen Zutaten dazu und gut umrühren.

Backzeit 2 Std. bei 150°C oder 80 Min. bei 180°C.

 

Eile mit Weile – Koche mit Muße

Mir bringt Kochen erheblich mehr Spaß, seit ich nicht mehr versuche, in Rekordzeit Mahlzeiten zu verbrechen, sondern schön der Reihe nach arbeite und mich dabei in Vorfreude darauf ergehe, wie meine Familie das Essen finden wird. Die aufgewendete Zeit macht sich geschmacklich bemerkbar.

Koche allein

Mich machen andere Leute in der Küche wuschig. Sie lenken mich ab. Sie stehen im Weg. Sie stören einfach. Also alle raus!
Nun mag das bei dir genau anders sein. Vielleicht bist du besser im Delegieren als ich und hast so hilfreiche Wichtel. Und womöglich kannst du gleichzeitig kochen und über aktuelle politische Ereignisse oder Klassenarbeiten reden. Ich kann’s nicht. Bei mir muss die Familie raus.
Und Leute wie Leroy Jethro Gibbs oder Dr. Sheldon Cooper sind während der Kochzeiten ja so was verbannt. Es schmeckt ohne sie wirklich besser. Statt dessen höre ich CDs und singe laut mit – ist ja niemand sonst in der Küche, der sich daran stören könnte.

Sei dankbar für gutes Werkzeug

Es geht ja auch mit Campingkocher und stumpfen Messern. Aber solltest du so richtig feine Teile haben, vielleicht auch nur ein oder zwei, dann sei dir bewusst, was du da hast. Dann bringt das Kochen gleich noch mal so viel Freude.
Und wenn die schönen Dinge empfindlich sind, nicht in den Geschirrspüler dürfen und generell mit Samthandschuhen angefasst werden möchten, dann lässt sich das mit einer dankbaren Haltung gleich viel leichter aushalten. 😉

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