Reiki und Autopoiesis
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Okay, das wird jetzt wohl nicht der am leichtesten verständliche Artikel dieses Blogs. Ich werde mein Bestes tun, um das was ich selbst eben gerade erst halbwegs verstanden habe, schön einfach zu erklären.

Du hast wahrscheinlich in der Schule gelernt, was Leben bedeutet, was die Merkmale des Lebendigen sind:

  1. Ernährung und Stoffwechsel (Photosynthese, Zell-Atmung)
  2. Wachstum
  3. Fortpflanzung und Vermehrung
  4. Eigene Bewegung
  5. Wahrnehmung von Reizen und die Reaktion darauf, Reizbarkeit (z.B. bei Venusfliegenfalle, Mimose)
  6. Aufbau aus Zellen
    Quelle

Mit dieser Definition lässt sich ganz gut arbeiten, auch wenn es immer wieder Grenzfälle gibt, die sich so nicht eindeutig als lebendig oder eben nicht-lebendig zuordnen lassen. Beispiel: Viren.

Nun schwirrt jedoch seit einigen Jahrzehnten eine ganz andere Definition des Lebendigen herum, die sich aber nicht so schön einfach abhaken lässt und sperrig ist. Um sie zu verstehen, muss man sich offensichtlich in die Tiefen der Philosophie begeben, obwohl die Begründer dieser Definition beide Biologen sind. Also: Lust auf Gedankenpulver?

Autopoiesis sei das Merkmal von Lebewesen und von lebendigen Systemen. Übersetzt heißt es „Selbstgestaltung“. Ein autopoietisches System kann sich selbst erschaffen und erhalten: ein Lebewesen durch Stoffwechsel, eine biologische Art durch Fortpflanzung, eine Gesellschaft durch „Das tut man nicht“ und „Ist so“.

Ich habe eine Seite gefunden, die Autopoiesis recht anschaulich erklärt. Hier klicken.

Eine ganz wichtige Eigenschaft von autopoietischen Systemen ist die Selbstbezüglichkeit: es beschäftigt sich mit sich selbst und Reize von außen haben keine direkte Wirkung, können aber eine Selbstveränderung des Systems anstoßen.
Wir alle kennen das, dass wir etwas sehen, das einen Gedanken auslöst, zum Beispiel eine Erinnerung. Also haben wir doch einen Reiz von außen als Ursache eines Gedankens? Nicht ganz, denn der Sinnesreiz kam in Form von Lichtteilchen. Damit können wir erst einmal nichts anfangen, auch wenn sie auf unsere Netzhaut kommen. Sie müssen zunächst übersetzt werden in Nervenimpulse, die dann unser aus Nerven bestehendes Gehirn verarbeiten kann.

Na und? Dann ist eben zwischen Reiz und Wirkung etwas, das den Reiz übersetzt. Ist doch egal.
Nein, nicht egal. Wer oder was übersetzt denn? Das macht unser Nervensystem. Also ist es das Nervenssytem, das entscheidet, was wie von eben diesem Nervensystem wahrgenommen und verarbeitet wird. Eben dies ist die Selbstbezüglichkeit.

Beispiel: Kennst du den Film Bleep? Darin wurde von etwas berichtet, das ich einfach nicht glauben konnte. Oder wollte? Als Kolumbus mit seinen Schiffen sich dem Ufer näherte, konnten die Indianer die Schiffe nicht sehen. Sie kannten keine Schiffe, also gab es nichts, was in ihrem Nervensystem die entsprechenden Lichtteilchen für eine wichtige Information gehalten hätte. Also wurde nichts in Nervenimpulse übersetzt und nichts kam im Gehirn an.
Bleep auf Youtube, diese Szene ist im 2. Teil etwa bei 2:30.
Inzwischen gehe ich recht gnädig mit dieser Behauptung um, nachdem ich während einer Autofahrt einmal fast einen schweren Unfall gehabt hätte. Ich habe wertvolle Sekunden lang nicht gebremst, weil ich nichts sah. Ich hatte ein merkwürdiges Gefühl von „Da ist etwas anders als sonst“, aber dass mir ein missglückter Überholversuch auf meiner Fahrspur entgegenkam, habe ich trotz offener Augen und Alarmbereitschaft nicht gesehen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Wir bauen uns unsere Welt also aus unseren Annahmen, wie sie sei, selbst zusammen. Ich nehme nur das auf, was in mein System passt. Das System wählt also gleichsam seine Außenkontakte selbst aus. Quelle

Und an der Stelle kommt – vielleicht weit hergeholt, aber dennoch – Reiki ins Spiel. Reiki sei intelligent, heißt es, und fließe immer dorthin, wo es gebraucht würde. Stimmt das wirklich? Oder ist Reiki an Stellen, an denen es nicht gebraucht wird, schlicht wie ein Schiff Kolumbus‘ oder wie ein Auto auf der falschen Straßenseite? Nur wo es gebraucht wird, wird es als hilfreich erkannt und ins System integriert?

Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber den Gedanken werde ich mal ein paar Tage lang spazieren führen…

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