Ist Reiki eine Heilweise?
avatar

Möglichkeit A: Reiki ist eine Heilweise.

  • Traditionen des Handauflegens als therapeutisches Handeln sind älter als Menschengedenken und sie waren wahrscheinlich weltweit vertreten. Reiki sieht sich also in einer langen Tradition.
  • Es ist nicht einfach nur eine Entspannungstechnik, sondern gezieltes Beeinflussen des Ki, wie dies ja zum Beispiel auch in der Akupunktur geschieht, die mittlerweile weitgehend als Therapie anerkannt ist.
  • Für eine Behandlung ist es hilfreich, eine genaue Diagnose ermittelt zu haben. Dies wird deutlich an der Vielzahl von Büchern, in denen bestimmte Reikipositionen je nach Erkrankung empfohlen werden (z.B. Tanmaya Honervogt, Walter Lübeck, Das Original Reiki-Handbuch des Dr. Chujiro Hayashi…). Um eine Diagnose zu erhalten, sind medizinische Kenntnisse vonnöten. Eine Tätigkeit, die ich aufgrund medizinischer Kenntnisse ausführe, ist eine Heilweise.
  • Alles, das der Feststellung, Linderung oder Heilung von Krankheiten dient, ist gesetzlich als Ausübung der Heilkunde definiert und bedarf der Heilerlaubnis (ärztliche Approbation oder Heilpraktikerschein).
  • Für Ärztinnen und Heilpraktiker gelten vielfache Einschränkungen beispielsweise im Bereich der Werbung. Sie dürfen sich nicht zu Werbezwecken in Berufskleidung oder bei der Ausübung ihrer Tätigkeit fotografieren lassen. (Deswegen werden in der Werbung Zahnpasten zuweilen von bekittelten „Zahnarztfreuen“ angepriesen.)
    Da Reiki eine Heilweise ist, greifen diese Regelungen auch hier. Fotos von Behandlungen sind nicht statthaft.
  • Eine weitere Einschränkung ist die, dass Ärzte und Heilpraktikerinnen nicht damit werben dürfen, wo sie ihre Ausbildungen gemacht haben.
    Das Veröffentlichen der Meisterlinie ist demnach rechtlich bedenklich.
  • Die letzte Einschränkung, mit der ich euch kommen will, betrifft das Verbot, im Bereich von Therapien mit Kundenmeinungen zu werben.
    Reikiflyer, auf denen Kunden ihrer Zufriedenheit Ausdruck geben oder Gästebücher auf der Homepage sind nicht zulässig.
  • Der Berufsverband ProReiki sieht sich als Dienstleister für die „Anerkennung von Reiki als Maßnahme zur Gesundheitsprävention, -pflege und zur Unterstützung von Heilungsprozessen.“
  • In mehreren Bundesländern (v.a. NRW, MV, SH) strengen die Gesundheitsämter Unterlassungsaufforderungen gegen Reikipraktizierende ohne Heilerlaubnis an (Gerichtsverfahren diesbezüglich laufen).

Möglichkeit B: Reiki ist keine Heilweise.

  • Reiki dient vor allem der spirituellen Entwicklung und der Entspannung. Heilung ist möglich, wenn durch Erkenntnis und Entspannung die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.
  • Diagnostisches Wissen ist nicht notwendig, da Reiki eine intelligente Energie ist, und fließt, wohin es will.
  • Außerdem werden die Handpositionen schematisch gewählt – an den Stellen der überlieferten Positionen liegen Reflexpunkte, sodass der gesamte Körper abgedeckt wird. Oder aber sie werden intuitiv gewählt, wobei noch nicht einmal ein Wissen um Symptome notwendig ist.
  • Wenn Reiki überhaupt eine Heilweise ist, dann höchstens eine des geistigen Heilens. Das Bundesverfassungsgericht hat 2004 festgestellt, dass die Ausübung geistigen Heilens keiner Heilerlaubnis bedarf.
  • Demzufolge greifen die einschränkenden Bestimmungen des Heilmittelwerbegesetzes bezüglich der Werbung nicht: Eine Reikipraxis kann mit Fotos von Anwendungen, mit Gästebüchern und der Meisterlinie werben.

Lass dich nicht irritieren, dass die erste Liste länger ist. Zum einen musste ich dort noch eher die Punkte erklären, zum anderen gilt es natürlich, Argumente zu gewichten, nicht sie zu zählen.

Man kann noch nicht einmal behaupten, dass die Reikiszene in dieser Frage gespalten sei – sie wird einfach nicht gestellt. Die meisten Reikipraktizierenden scheinen sich noch nicht einmal der Problematik bewusst zu sein: Sie sperren sich dagegen, einen Heilpraktikerschein erlangen zu sollen – was in der Regel Jahre der intensiven Vorbereitung voraussetzt und eine entsprechend hohe Hürde ist. Schließlich sei Reiki ja keine Heilweise. Oft aber sind es genau die gleichen Leute, die Positionen nach Symptomen empfehlen und die jubeln, wenn eine weitere Krankenkasse Reiki als Gesundheitsprävention anerkennt. Das passt meines Erachtens nicht zusammen und macht deutlich, wie unreflektiert argumentiert wird.

Wie ist denn nun deine Meinung? Versuche, persönliche Vor- und Nachteile außen vor zu lassen und betrachte nur Reiki. Ist es eine Heilweise?

Und dann, wenn wir uns jeweils unsere Meinung gebildet haben, lasst uns herangehen, das Reikilager zu spalten. Es geht mir nicht darum, Zwist zu säen, aber ein wenig aufrütteln müssen wir unsere Reikikolleginnen vielleicht doch. Eine Klärung dieser Frage ist wichtig und steht unmittelbar im Raum. Sollen Gerichte allein entscheiden? Oder wollen wir unseren Teil zur Meinungsbildung beitragen?

Los geht’s!

Kommentare

Ist Reiki eine Heilweise? — 4 Kommentare

  1. Für mich ist Reiki Liebe, Licht und Kraft. Die Liebe zu sich selbst erkennen und leben, Licht für meinen Lebensweg und Kraft, diesen Weg zu gehen! Wenn ich bereit bin, hilft Reiki nicht nur bei der körperlichen Heilung, sondern bei allem, was ich tun möchte. Durch Reikibehandlungen erkenne ich meine Blockaden, die mich abhalten, das für mich Beste zu tun und kann sie auch damit auflösen. Reiki unterstützt die Bewusstwerdung und die Weisheit. Natürlich bekommen Kranke durch Reikibehandlungen auch Kraft und können so durch Aktivierung ihrer Selbstheilungskräfte ihre Krankheit überwinden. Ich vergleiche Reiki inzwischen mit zwei Autos. Das eine ist liegen geblieben, mit dem zweiten überbrückt man es, damit es anspringt und wieder selbst läuft. Reikibehandlungen wendet man ja nicht nur bei Kranken an.
    2001 hatte ich auch eine Auseinandersetzung mit dem Gesundheitsamt. Sie wollten mein Geschäft schließen. Wir haben uns 1 1/2 Stunden unterhalten. Ich konnte die Bedenken, des Gesundheitsamtes verstehen und teilte sie sogar. Denn sie haben viele „Kanditaten“ gehabt, die Kranken versprochen haben, dass sie durch Handauflegen geheilt werden und nicht mehr zum Arzt brauchen. Solchen „Heilern“ sollte schon das Praktizieren verboten werden. Mein GGeschäft wurde übrigens nicht geschlossen

  2. Für mich ist Reiki eine universelle Energie, die für jedermann verfügbar ist.
    In einer Behandlung fließt diese Energie zum Wohle aller.
    Ohne Zulassung als Arzt oder Heilpraktikerkann und darf ich mir nicht anlasen irgendwelche Diagnosen zu stellen!
    Und Klienten abzuraten den Empfehlungen ihres Arztes zu Misstrauen ebenfalls nicht!
    Nur die obige Diskussion mit den Punkten versteh ich nicht?!
    Muss ich tatsächlich Heilpraktiker sein, um behandeln zu dürfen?
    Laut Reikiverband darf ich nicht diagnostizieren. Das hab ich auch mit Beitritt zum Verband unterschrieben.
    Aber nach obiger Aufstellung dürfte ich ja nicht mal mehr behandeln und die Selbstheilungskräfte der Klienten unterstützen, wenn Reiki als Heilmethode anerkannt ist.
    Das Ganze hat auch nocheinen weiteren Haken:
    Selbst wenn ich die Ausnildung zum Heilpraktiker anfange, hart Arbeite, ca. 15000€ investiere, (die ich nicht hab), wer garantiert mir, dass ich zu den 10% gehöre, die pro Jahr neu zugelassen werde?
    Ich werde weiterhin praktizieren in meiner kleinen Oase der Entspannung. Solange ich keine Heilung garantiere und nicht diagnostiziere dürfte das nicht verboten sein:)

  3. Trotzdem komm ich nicht klar weshalb Reiki (ohne Heilpraktiker) und die Anerkennug durch die Krankenkasse nicht zusammen passen?
    Ein Masseur hat zwar eine langjährige Ausbildung, aber er diagnostiziert auch nicht, seine Anwendungen werden vom Arzt verordnet und von der Kasse anerkannt.
    Der Vergleich hinkt vielleicht etwas, aber Reiki tut den Klienten auch gut, hilft bei der Gesundung…
    Trotzdem hoffe ich, dass Reiki imGesundheitswesen weiterhin Fuß fasst!

  4. Moin, herzlichen Dank für eure Anmerkungen. Ich finde das sehr interessant. Über den Vergleich zum Masseur muss ich jetzt mal nachdenken…