Reiki und das Horn von Afrika
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In letzter Zeit komme ich mir immer wieder vor wie in einer Zeitschleife: Immer wieder die alten Probleme und meist als darauf die alten Antworten. In der Mitte der Achtziger Jahre hatten wir das Thema Hunger in Äthiopien schon einmal. Die Bilder von damals sehe ich jetzt wieder in den Nachrichten.

1985 schien es mir, als müsste die Welt nur lernen zu teilen, dann wäre Hunger kein Thema mehr. Und tatsächlich verschwand Äthiopien irgendwann aus den Nachrichten. Und damit aus dem Sinn…

Jetzt bin ich um einiges älter und die Lösung von damals war offensichtlich keine. Das Teilen betrifft nicht nur den Kauf einer Benefiz-Single oder das Spenden einer vielleicht sogar größeren Summe. Unser Wohlstand in Europa beruht durchaus auf der Armut in anderen Teilen der Welt; historisch (Kolonialisierung) wie aktuell (subventioniertes Gemüse aus Europa zu Spottpreisen auf afrikanischen Märkten). Meine ich es ernst mit dem Teilen, so wird sich mein Lebensstil nachhaltig ändern müssen.

Aber würde das denn überhaupt helfen? Sieht man sich die Verteilung des Hungers am Horn von Afrika an, so fällt auf, dass die Länder in unterschiedlichem Maß betroffen sind. Besonders interessant ist dies bei Somalia. Denn de facto, wenn auch nicht international anerkannt, hat sich der Norden Somalias 1991 als Somaliland für unabhängig erklärt. Übrigens weil es sich vom Rest Somalias nicht genügend gefördert fühlte, der Norden war das Armenhaus Somalias gewesen. Auch heute noch ist Somaliland arm – aber es verfügt über Infrastruktur und eine funktionierende Regierung, sodass Hilfe in den Hungergebieten möglich ist. Im Rest Somalias machen Warlords jede Hilfe unmöglich. Soll ich da spenden? Wem denn? Welche Hilfsorganisation kann es mit den Milizen aufnehmen, die eben diese Hilfe verhindern wollen, da sie ihren Machtanspruch gefährdete? Oder vergesse ich den Hunger in Somalia und spende lieber für Kenia und Äthiopien, weil dort mit großer Wahrscheinlichkeit meine Hilfe tatsächlich die Hungernden erreicht?

Und so bleibt die Hilflosigkeit. Aber Moment mal! Haben wir nicht gerade groß angelegte Fernreikiaktionen laufen, die Japan unterstützen sollen? Dann könnte ich mich doch – wenig genug ist es ja – einer Aktion für das Horn von Afrika anschließen. Eine Googlesuche zeitigte einen Treffer auf einer Facebookseite, der als einzige Reaktion einen Spendenaufruf von BR3 erfuhr. Fernreiki für Afrika scheint keine sehr coole Sache zu sein.
Natürlich, Mikao Usui war Japaner und meines Wissens haben weder er noch Hayashi oder Takata jemals Afrika bereist. Die Verbindungen zwischen Reiki und Afrika sind also nicht sehr eng. Dennoch erstaunt mich die Gleichgültigkeit der Reikigemeinde. Immerhin, Japan hat ein Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 26.409 US$, also nur knapp unter dem von Deutschland mit 30.348 US$. Somalia dagegen schlägt sich mit 245 US$ durch (Alle Angaben nach den Länderprofilen der Wirtschaftskammer Österreichs). Es ist ein extrem armes Land, dass sich nicht allein wird helfen können, Warlords oder nicht. Reiki könnte man ohne Gefahr, dass die Spende nicht ankommt, schicken.

Let’s start giving.


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