Die Lebensregeln in der Meditation
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Von Anfang an war Gassho die Meditationsform, die im Reiki ge­lehrt wurde: Dabei werden die Hände vor der Brust aneinander gelegt und der Fokus auf die Spitzen der Mittelfinger ge­richtet. Klingt einfach? Probier‘s mal!
Dabei sollten dann die Lebens­regeln rezitiert werden. Mir persönlich ist es jedoch un­möglich, zeit­gleich auf den Text und auf die Mittel­fingerspitzen zu achten. Mir reicht eine Aufgabe völlig…

Und schon habe ich einen Teil von Usuis Vermächtnis hinten unter kippen lassen:

Jeden Morgen und Abend – sitze im Gassho,
fühle die Worte in deinem Herzen
und sage sie mit deinem Mund.

Jetzt kann man sich natürlich darüber streiten, ob es noch Reiki ist, das ich betreibe, und ich weiß, dass es Leute gibt, die dies vehement bestreiten würden. Für mich ist das Gundlegenste am Reiki, dass es simpel ist und keine Dogmen kennt. Fasst man Usuis Text als Empfehlung auf, kann ich gut damit leben. Fasst man es als Dogma auf, steige ich aus.

Man kann Prinzipien aufstellen wie Wegweiser oder wie Galgen.
Hans Kasper, 1916 – 1990, deutscher Schriftsteller

Ich glaube, dass nur, wer frei ist von Verpflichtung und Dogmatismus, wirklich die Bedeutung eines Textes (oder anderen Kunstwerks) wirklich erfassen kann. Daher rate ich dir, die traditionelle Gasshomeditation mit den Lebensregeln auszuprobieren. Und falls du nach genügend Versuchen zu dem Schluss kommen solltest, dass das nichts für dich ist, musst du dir eben etwas anderes suchen. Wie wäre es damit,

  • jeden Morgen über eine der Lebensregeln zu meditieren und sie während des Tags immer wieder in das Bewusstsein zu holen. Habe ich gerade jetzt nach dieser Regel gehandelt?
  • in Büchern und Zeitschriften immer wieder über die Lebensregeln zu lesen und das eigene Verständnis so zu erweitern.
  • im Reiki-Tagebuch eigene Erkenntnisse, Anschauungen, Gefühle zu den Lebensregeln festzuhalten und ab und an nachzulesen, ob sich da etwas geändert hat.
  • nach einem entsprechenden Text aus deinem Kulturkreis zu forschen.
  • Gassho ohne Rezitation der Lebensregeln zu versuchen.
  • die Lebensregeln in einer zu dir passenden Haltung zu rezitieren.

Wenn man sich die Reiki-Lebensregeln durchliest, so findet man nichts darin, das sich nicht auch woanders finden ließe. Und das bedeutet für mich zweierlei:

  1. Ich muss nicht mit den Lebensregeln Mikao Usuis arbeiten, sondern kann mir entsprechende Lebensregeln woanders suchen. (Es bietet sich das Neue Testament an…)
  2. Ich kann mit Mikao Usuis Lebensregeln arbeiten, unabhängig von meinem weltanschaulichen und religiösen Hintergrund.

Gerade heute suche ich nach meinem Weg.

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